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Nur schräge Töne reichen nicht

Bild: Ueli Mooser

Ueli Mooser feierte am Montag in Birmensdorf Geburtstag. Den 77sten. Radio Tell erfüllt ihm in Geris Ländlertipp auch nachträglich einen Musikwunsch.

«Nüd nur eis», sagt Ueli Mooser. Und beantwortet damit meine Frage nach einem Gläschen Schnaps, das er sich zur Schnapszahl wohl sicher zu Gemüte geführt habe. Und dann gibt er eine Antwort, die typisch ist. Man bräuchte ihn zwar nicht vorzustellen, den Mann mit der Pagenfrisur, setzte ich im Gespräch voraus. Die Aufzählung einiger ihn umschreibende Begabungen wie Komponist, Arrangeur, auf vielen Instrumenten versiert, Redaktor bei SRF, Multitalent, Alleskönner und Tausendsassa kontert er jedoch umgehend: «Ich würde mich eher als Ideenlieferant für die Ländlermusikszene bezeichnen»

Mooser halt. Ruhig, bescheiden, im Hintergrund. Dabei hätte er mit seiner Kompetenz wahrlich Grund genug, viel lauter zu sein. Doch sie kommen gerade im Bereich Schweizer Volksmusik auch so an, Moosers Botschaften und Ideen. Sie beeinflussen die Szene, zeigen Wirkung. Dabei ist Ueli Mooser nach einer klassischen Klavierausbildung und der Vorliebe zu Jazz und Unterhaltungsmusik erst mit 20 Jahren zur Ländlermusik gestossen. Ein Spätberufener, der die eingegangene Beziehung aber bis heute intensiv gepflegt und durchgezogen hat.

Im Gespräch beschäftigen wir uns hauptsächlich mit zwei Themen, die zueinander passen: Alte und neue Volksmusik. Dass Gabriel Käslins (GK, 1867-1951) «Schäfli-Schottisch», aus welchem Mario Feurer (Minstrels) vor mehr als 40 Jahren «Grüezi wohl Frau Stirnimaa» schrieb, seinen Ursprung in Italien hat, überrascht Ueli Mooser nicht. Er habe immer nach Verbindungen zwischen Ländlermusik und ausländischer Volksmusik geforscht und solche auch gefunden. Der »Urchig Muotataler» habe z.B. einen österreichischen Ursprung und sei 1860 unter «Veteranen-Polka» aufgeführt worden. Und anderes mehr, was er unter «Tanzmusik-Klamotten» auf einer CD mit Uelis Tanzkapelle zusammengefasst habe.

Und die neue Volksmusik? Neu sei ein Schlagwort geworden, stellt Mooser fest. «Der Austausch zwischen Schweizer Volksmusik, angelsächsischer und skandinavischer Musik findet schon viel länger statt. Mit Schwyzerörgeli auf den Knien über lange vier Minuten hinweg schräge Töne, sich wiederholende Rhythmus- und immer gleiche Harmoniemuster spielen und über diesen ein bisschen Improvisieren, gefällt mir nicht», sagt der Routinier und Mann vom Fach.

Ueli Mooser, dem es stets ein Anliegen war und ist, die vorliegende Volksmusik-Literatur mit Ideen zu bereichern, die es in der konventionellen Ländlermusik vorher noch nicht gab, bezeichnet die Formation «pareglisch» mit Dani Häusler, Markus Flückiger und den Brüdern Hans und Bruno Muff als innovative Gruppe, die massgebende Wege in eine erneuerte Richtung vorgegeben habe. Innovation sei allerdings nicht identisch mit jener neuen Volksmusik, wie sie offenbar Mode sei. Ueli Moosers Musikwunsch, zu hören am Mittwoch, zirka 19.30, DO 13.30 und FR um 10.30 Uhr verdeutlicht, was er meint.

Geri Kühne

Beitrag vom 27.01.2021




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