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Ab 40 darf man Walter sagen

Bild: Kapelle Alder (www.kapellealder.ch)

Walterli, der am nächsten Samstag seinen 40. Geburtstag feiert, kenne ich schon seit 35 Jahren. Zusammen mit seinen Geschwistern durfte er die Alderbuebe jeweils zum Auffahrtskonzert in die damalige «Krone» in Benken begleiten, in deren Umgebung es zusammen mit einheimischen Kindern viel zu entdecken gab, während Vater Walter mit seinen Brüdern Noldi und Werner plus Willi Valotti in der Beiz aufspielten.

Der Sohn von Walter blieb als erklärbarem Unterschied für mich, für andere und insbesondere für einige Tanten immer der Walterli. Wie der Vater «en vo de Aldere vo Urnäsch». Dem Geburtstagskind erfüllt Radio Tell diesen Mittwoch um zirka 19.30 im Geris Ländlertipp den nächsten Musikwunsch.

Vater (Akkordeon) und Sohn (Violine) spielen zusammen in der Kapelle Alder. Nicht Walter Alder. Das Publikum würde in zweiter Variante nicht erfahren, wer in der Formation mit Schwester Susanne (Hackbrett) und Christian Müller (Kontrabass) der Kapellmeister ist. «Es gibt keinen Chef», sagt der Sohn. 
Die «Aldere» musizierten schon immer über Altersgrenzen hinweg - und bereits fünf Generationen - zusammen. «Mer sönd di Föft», erklärt Wälti, wie er im Urnäscher Umfeld auch genannt wird. Der Vater vertrete mit den Alderbuebe die vierte Generation. Elfjährig habe dieser erstmals öffentlich mit Grossvater Ueli Alders «Original Steichmusik Appenzell» (die Dritten) aufgespielt. Cousin Michael Bösch, Sohn einer Alder-Tochter, sei wie er selber Vertreter der fünften Dynastie. Schon als 17-Jähriger löste Michi den gemeinsamen Onkel Noldi bei den Alderbuebe ab. «Ich war zu jung und noch nicht soweit, obwohl schon mit meinem Vater und zwei Schwestern in der Jungstriichmusig Alder unterwegs». Wälti spielt wie Grossvater Ueli, wie die Onkel Noldi und Hansueli und wie Cousin Michi Geige. Die Appenzellermusik wurde im Strüssler, einem Bauernhof oberhalb Urnäsch, sozusagen vererbt. Überall standen Instrumente. In der Wohnung oben beim Grossvater, nebenan in Zimmer oder gemeinsam in der Stube, überall wurde geprobt und musiziert. Man packte mal ein Instrument, das gerade frei war (Geige, Hackbrett, Cello, Bass, Klavier, Akkordeon), und begann zu üben. Musikgehör und Talent haben Alders in den Genen. Doch längst nicht alle Nachkommen machen Musik. Die sechste Generation mit Josephine und Benjamin Rempfler, Kinder von Schwester Susanne und des bekannten Hackbrettlers Benjamin Rempfler vom Appenzeller Echo, stehen vielversprechend in den Startlöchern. Auch sie werden die seit 1894 bestehende Alder-Musikfamilientradition fortsetzen. Live und auf weiteren der schon zahlreichen Tondokumenten.

Seinen Musikwunsch zum 40. Geburtstag möchte sich Walterli mit dem «Buuretanz», einer Komposition seines Grossvaters Ueli Alder erfüllen. Die Melodie ist im Anschluss an das Telefongespräch auf Radio Tell zu hören. Noch wenige Stunden fehlen, bis Walterli am Samstag dann auch sein Wiegenfest feiert. «Ab dann», fügt der sympathische Ausserrhödler bei, «dürfen mir dann auch meine Tanten Walter sagen».

Geri Kühne
Beitrag vom 20.05.2020



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